Donnerstag, 15. Dezember 2011

Das Prinzip 140

Hier sollte mein erster Post stehen, den ich mit dem Tool Storify erstellt habe. Das Thema: Die 140 Zeichen-Begrenzung - und was wir mit den 140 Zeichen verbinden. Leider kann man Storify-Posts nicht auf Blogspot einbinden (Minuspunkt für Google). Daher hier der Link.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Hauptsache Fragen - Der Jahresrückblick 2011 des Guardian

Der Guardian lässt gibt zum Jahresende ein gutes Beispiel für zielgerichteten Dialog mit seinen Lesern. Anstatt zu entscheiden, was das Jahr 2011 gebracht hat, reichen sie die Frage an ihre Leser weiter. Hier einige Ergebnisse:

Dienstag, 13. Dezember 2011

Stricken für Berlin

Ein gestrickter Weihnachtsbaum in der Berliner U-Bahn? Die Jungs und Mädels von Panikstricken haben offenbar etwas gegen ein steriles Berlin. Sie kleiden die Stadt in Strick.

Passend zur Weihnachtszeit haben die Wooligans, wie sie sich selbst nennen, einen gestrickten Christbaum in der U-Bahn aufgestellt.

Montag, 12. Dezember 2011

Liebe Deinen Nachbarn!

Mitten in die Debatte um Rechtsextremismus platzt eine Studie der Universität Köln mit überraschenden Ergebnissen. Demnach leben in Deutschland die fremdenfreundlichsten Europäer. Wie passt das zusammen?

Mittwoch, 3. August 2011

Ein Hoch auf unseren Reiseleiter

Flugzeug, Bahn, Mitfahrgelegenheit - wer heute durch Deutschland reist, denkt als letztes daran, in einen Bus zu steigen. Das liegt zum einen daran, dass es bisher nur wenige Angebote gibt. Zum anderen sicher auch an dem zähen Klischee kleinbürgerlicher Kaffeefahrten, das dem guten alten Omnibus anhaftet. Aber trifft das Klischee überhaupt noch zu? Ein neunstündiger Test auf der Strecke von Berlin nach Passau.

Zugegeben, besonders flexibel erscheint der Berlin Linien Express nicht gerade. Montagmorgen, Abfahrt 8.15 Uhr, der nächste Bus geht in zwei Tagen. Im hinteren Teil des Busses sind gerade noch fünf Plätze frei und wer weiß, ob die Klimaanlage funktioniert. Trotzdem steht Stefan Neumeyer vor der offenen Gepäckluke des Busses und nimmt das Gepäck an. Er ist der Reiseleiter und er strahlt. Dass man keine Lust auf eine neun Stunden lange Busfahrt haben könnte, scheint ihm nicht in den Sinn zu kommen.

Das Gepäck steht noch in einem kleinen Haufen neben dem Bus. Daneben tropft beständig Wasser aus der Decke des Zentralen Omnibusbahnhofs in Berlin, obwohl die Sonne durch die Fenster mit den ordentlich befestigten Vorhängen scheint. Während Neumeyers Kollege einigen älteren Damen bei der Platzwahl hilft, wuchtet er einen Koffer nach dem anderen in den Rumpf des Busses. Pünktlich um Viertel nach acht geht’s los.

Auf die Gäste, fertig, los

Die erste Durchsage: Neumeyer freut sich auf die Reise, hofft auf freie Straßen und will sich um seine Gäste kümmern. Der Mann mit den weißen, kurzen Haaren ist voll in seinem Element. Er verteilt gratis Zeitungen (was überrascht angesichts der Gepäckgebühr), beantwortet Fragen und nimmt die ersten Bestellungen auf: Cappucino und Wasser. "Sofort bezahlen oder am Ende alles zusammen?", fragt ein Fahrgast. Neumeyer blickt ihn an, als ob er sich darüber noch nie Gedanken gemacht hätte. Dann sagt er jovial: „Ganz wie Sie wollen.“ Jetzt erst mal die schönen Dinge am Busfahren genießen und das heißt für ihn: sich um seine Gäste kümmern. Und so verwundert es auch kaum, dass sich am Ende der Fahrt einige davon machen - ohne zu bezahlen.

Um den vorderen Teil des Busses zu bedienen braucht Neumeyer in der Regel etwas länger. Hier sitzen die Gäste, die von einer Busfahrt mehr erwarten als von A nach B zu kommen. Aus dem hinteren Teil des Busses sieht man von ihnen nur jeweils zwei Reihen auftoupierter Damenfrisuren in Rot-, Weiß- und Lilatönen. Neumeyer lehnt sich lässig auf eine Rückenlehne und hält ein Schwätzchen. Er hat Zeit. Und er weiß, was seine Gäste erheitert. Seine leichten Anekdoten werden mit einem herzlichen Auflachen quittiert.

Die Gäste im hinteren Teil des Busses brauchen ein wenig Zeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie schwenken mit den Armen, rufen ein zaghaftes "Entschuldigung" Richtung Fahrer und, wenn gar nichts hilft, drücken sie den Service-Knopf. Neumeyer hastet nach hinten. Ein beleibter Herr möchte zwei Paar Wiener. "Also zwei Paar, vier Würstchen, richtig?", fragt der Reiseleiter umsichtig nach. "Ja", sagt der Gast, "aber ohne Brot. Brot macht dick." Ein weiterer Mann, der in etwa so schwer atmet wie Darth Vader aus Star Wars, schließt sich der Bestellung an.

Die Bestellung ist gebracht. Nach dem Verzehr grummelt der Fahrgast in der letzten Reihe leise: "Nach Würstchen hat das aber nicht geschmeckt." Und auch der Nudelauflauf (eine Fünf-Minuten-Terrine), den eine Mutter ihrem Sohn bestellt, stillt mehr dessen Hunger, als dass er ihm ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Aber was die Busküche nicht leisten kann, versucht Neumeyer seinerseits mit einem Lächeln wettzumachen.

Im Bus herrscht eine geradezu aufdringliche Freundlichkeit. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere in die Zeit zurück versetzt, in der es auf Schulausflügen alles andere als ratsam war, seinen Hintermann im Bus gegen sich aufzubringen. Obwohl wahrscheinlich niemand auf die Idee kommt, seinen Vordermann zu piesacken, bemühen sich alle, die positive Stimmung zu erhalten. Schließlich sitzt der oder diejenige noch mindestens fünf Stunden hinter mir.

Zweite Durchsage: Auf der Autobahn ist ein Stau.

Wir nehmen einen Umweg über Landstraßen. Blindes Vertrauen im vorderen Teil des Busses, resigniertes Stöhnen in den hinteren Reihen. Was folgt, ist ein einstündiger Ausflug durch die Gegend um Gera. Wer etwas für blühende Landschaften übrig hat, sieht aus dem Seitenfenster. Der Rest kommt nicht umhin zu bewundern, mit welcher Sicherheit Neumeyers Kollege das motorisierte Ungetüm durch enge Unterführungen und kurvige Dorfstraßen manövriert.

Mit einer Stunde Verspätung erreicht der Bus Hof, die dritte Haltestelle. Hier gibt es fünf Minuten Pause für Raucher und eingerostete Beine. Der Mann, der lieber Wiener als Brot ist, stellt die Frage in den Raum, ob man nicht vielleicht besser auf der Autobahn geblieben wäre. Während seine Mitfahrer sich aus der letzten Reihe schälen, grummeln einige Zustimmung. Die Pause vor dem Bus nutzen sie, um sich vorzurechnen, dass der Weg über die Autobahn richtiger gewesen wäre. Die Pause ist vorbei. Es herrscht wieder Ruhe auf den hinteren Plätzen.

Ziel erreicht

Das Ziel der Fahrt ist für Neumeyer nicht Bad Griesbach. Er möchte seine Gäste zufrieden stellen. Und so wirkt er höchst befriedigt, als eine Frau aus dem vorderen Busteil in Marktredwitz aussteigt und ihm zum Abschied fröhlich winkt. Neumeyer winkt zurück. Beide haben ihr Ziel erreicht.

Montag, 6. Juni 2011

Visier statt Kelle

Kinder lernen schon früh, wer die Guten sind. Zum Beispiel mein kleiner Bruder. Lennart ist sechs Jahre alt und spielt gerne Berufe nach, die kleine Jungs eben gerne nachspielen: Feuerwehrmann, Astronaut, Bauarbeiter - und Polizist. Solche Berufe nachzuspielen steigert deren Akzeptanz und legt manchmal sogar den Grundstein für die spätere Berufswahl.

So weit, so gut. Doch als ich neulich in sein Zimmer komme, entdeckte ich einen eklatanten Unterschied zwischen unseren Spielgewohnheiten. Denn statt grüner Uniform mit zweifelhaft schönem grünen Filzmützchen und Holzkelle, rüstet sich Lennart seit neustem mit einem harten Plastikhelm mit Schutzvisier aus. Vorne drauf steht in dicken, schwarzen Lettern: POLIZEI.

So altbacken und aus der Mode gekommen die Polizeimütze erscheint, so präsent ist der weiße, maximalen Schutz versprechende, Helm. Nämlich immer dann, wenn es um Bahnhöfe, Atommüll, Rechte, Linke und Hooligans geht. Vorbei die Zeit, in der Polizisten im kollektiven Bewusstsein Verbrecher jagten und auf viel befahrenen Kreuzungen den Verkehr regelten. Der Polizist von heute schlägt sich mit Bürgern - vom Wendland bis nach Stuttgart. Daher auch der Helm. Denn die Bürger sind sauer.

Die Situation kennt Lennart schon aus dem Kindergarten. Ist er sauer, haut er auch mal zu. Und dann ist man froh, wenn der andere einen Helm aufhat - er soll es ruhig merken, aber eine Beule tut zumindest Lennart im nächsten Moment schon wieder leid.

Doch auch wenn Lennart eine sehr friedliche Natur ist, spielt er den Polizisten am liebsten mit dem Hau-Drauf-Helm. Nicht die Kombinationsgabe eines brillianten Inspekteurs und auch nicht das unantastbare Pflichtbewusstsein des staatstreuen Freund in Uniform scheinen ihn zu reizen. Es sieht ganz so aus, als sei es die Illusion von Macht, vermittelt mit Gummiknüppel und Wasserwerfer, die er seinem Spiel-Ego gerne zu eigen macht.

Wie gesagt, mein Bruder ist kein Schläger-Typ. Und dass beim Polizeispielen seine dunkle Seite zum Vorschein kommt, halte ich auch für ausgeschlossen. Es drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass der friedfertige Polizist in den Köpfen kleiner Kinder nicht mehr existiert. Dabei fördert gerade die friedlich-freundliche Komponente des Polizisten-Images – das nicht zuletzt durch die Mütze vermittelt wurde - dessen Akzeptanz. Eine Uniform (im Idealfall mit Mütze) bedeutet Autorität. Ein Helm macht nur Sinn, wenn der darin steckende Kopf auch an einen Kampfanzug gedacht hat. Und der vermittelt (im Ernstfall) Aggressivität.

Wo die Polizei ihrer Arbeit beim letzten Castor-Transport trotz Überstunden und heftigem Widerstand (größtenteils) im Rahmen ihrer Befugnisse nachging, lief ihr Einsatz in Stuttgart gehörig aus dem Ruder.

Nun weiß ich, dass sich mein Bruder weder für S21, noch für Atommüllendlager - beides inklusive Proteste - interessiert. Deswegen geht es hier auch viel weniger darum, ob Lennart mit dem Polizeihelm oder der grünen Mütze spielt.

Fragwürdig ist aber, welcher Käufer das Bild eines, Wutbürger im Zaum haltenden, Polizisten vor Augen hat, wenn er im Spielzeugladen steht. Oder welcher Hersteller. Der „Aggro-Polizist“ steckt in deutschen Köpfen - eine Marketing-technische Katastrophe. Ob man sich in der Nähe von Polizisten sicher fühlt, hängt in Zukunft nur noch vom Auslöser seines Erscheinens ab. Also, Kinder, besser nicht gegen die Staatsmacht auflehnen - so der Spielzeughersteller.

Freitag, 20. Mai 2011

Besinnung nach dem Kater

Der Schock war groß, als Thomas de Maiziere - frisch im Amt - seinem Vorgänger, Karl-Theodor zu Guttenberg, ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellen musste. Zu Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab - und hat dem vermeintlich gut bestellten Bundeswehrhaus damit eine tragende Wand herausgeschlagen. Einen Plan, wie die übrigen Stockwerke abgestützt werden sollten, gab es nicht. Alle, die eine große Reform gefeiert haben, sehen nun mit schmerzendem Schädel die Überreste der Party.

Der aktuelle Verteidigungsminister will nun 3000 zusätzliche Soldaten für internationale Einsätze bereitstellen. Damit erfüllt er eine der wichtigsten Zielvorgaben der Bundeswehrreform: die deutsche Armee international leistungsfähiger zu machen. Wenn man dieses Ziel ernst nimmt, ist dieser Schritt nur konsequent. Er ist auch eine reine Notwendigkeit, seit Deutschland einen Platz im Uno-Sicherheitsrat innehat.

Insofern darf diese Ankündigung durchaus als ein Befreiungsschlag aus der Richtungslosigkeit nach zu Guttenberg gesehen werden. Doch anstatt gleich wieder in Feierlaune auszubrechen, sollte sich die Bundesregierung ernsthafte Gedanken machen, wie sie Deutschlands größeren Einfluss einsetzen will. Im Moment fehlt ihr dazu vor Allem das nötige Fingerspitzengefühl. Ein Hin und Her, wie in der Libyen-Frage darf sie sich nicht mehr erlauben. Eine stärkere, deutsche Einsatztruppe, die sich im Ernstfall querstellt, würde den Vereinten Nationen nämlich nicht nutzen - im Gegenteil.